„Evidenzbasierung in der Sprachtherapie“

4. Interdisziplinäre Summerschool "Sprachentwicklung und ihre Störungen"


22.09.- 24.09.2015, PH Heidelberg und SRH Hochschule Heidelberg

 

Vom 22.09. bis 24.09.2015 trafen sich 15 interessierte Nachwuchswissenschaft-lerinnen aus Logopädie, Sprachheilpädagogik, Philologie, Psychologie und Neurowissenschaften in den Räumlichkeiten der PH Heidelberg und der SRH Hochschule Heidelberg zur 4. Interdisziplinären Summerschool „Sprachentwicklung und ihre Störungen“. Diese bestand aus einem Workshop, Forschungskolloquium und runden Tisch zum Schwerpunktthema „Evidenzbasierung in der Sprachtherapie“. Aufgrund der Aktualität des Themas und dem Wunsch der TeilnehmerInnen nach Vertiefung knüpfte die diesjährige Summerschool damit thematisch an der vorherigen Summerschool an.

Prof. Dr. Stephan Sallat und Prof. Dr. Steffi Sachse nahmen von Seiten der Veranstalter, der GISKID – Gesellschaft für interdisziplinäre Spracherwerbsforschung und kindliche Sprachstörungen im deutschsprachigen Raum e.V., und der Ständigen Konferenz der Dozentinnen und Dozenten für Sprachbehindertenpädagogik, teil.

Dr. Sebastian Voigt-Radloff von Cochrane Deutschland, das dem Universitätsklinikum Freiburg angegliedert ist, leitete den zweitägigen Workshop zu Evidenzbasierten Innovationen. Nach einer Einführung in die Grundlagen zu Machbarkeits-, Wirksamkeits- und Implementationsstudien sowie Potentialanalysen tauschten sich die Teilnehmerinnen zunächst über ihre bisherigen Erfahrungen in diesem Feld aus. Ein zweiter kurzer Input informierte über die unterschiedlichen, online zur Verfügung stehenden Suchmaschinen, wie PubMed, AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) Leitliniensuche und Cochrane Library, sowie das Instrument GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation), das zur Evidenzbewertung zu einer vorliegenden Gesundheitsfrage genutzt werden kann. Darauf aufbauend folgte eine Gruppenübung, in der so genannte Evidenzprofile zu sprachtherapeutischen Interventionen auf Basis des Cochrane Reviews von Law et al. (2003) erstellt wurden. Der zweite Tag widmete sich mit verschiedenen Übungen und kurzen Inputphasen vertiefend der Recherche in der Cochrane Library und der Präzisierung von Forschungsfragen anhand des PICOS (Patients, Intervention, Comparison, Outcome, Studydesign) Schemas. Zusammenfassend lernten die Teilnehmerinnen konkrete Instrumente zur Planung und Bewertung von Interventionsstudien sowie Suchstrategien zur Evidenzrecherche kennen. Dr. Voigt-Radloff schaffte eine hervorragende Verknüpfung zwischen diesen Instrumenten und den Fragestellungen der Teilnehmerinnen und leitete Impulse für die Arbeit der GISKID ab. So entwickelte sich die konkrete Idee, eine gemeinsame Suchstrategie und eine Liste englischer Suchbegriffe zu erarbeiten.

Abgerundet wurde der zweite Tag von Prof. Dr. Stephan Sallat mit einem Einblick in die Arbeit an der AWMF Leitlinie zur Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen (SES) unter besonderer Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES). An der Leitlinie arbeiten derzeit mehr als 15 Fachgesellschaften bzw. Organisationen, darunter auch die GISKID, mit dem Ziel, die Therapie von Sprachentwicklungsstörungen mit und ohne Komorbidität durch die Identifikation evidenzbasierter therapeutischer Interventionen zu verbessern. Dieses aktuelle Beispiel zeigte noch einmal eindrücklich die anspruchsvolle Arbeit nach entsprechenden empirischen Studien zu recherchieren, diese zu systematisieren und zu bewerten.

Die gemeinsamen Abendessen luden bestens dazu ein, sich untereinander zu vernetzen und sich über Themen der Promotions- und Post-Doc-Phase sowie aktuelle Forschungsprojekte auszutauschen.

Der letzte Tag bot zum einen Raum für ein Forschungskolloquium, in dem Dr. Wilma Schönauer-Schneider ihr Habilitationsvorhaben zum Monitoring des Sprachverstehens bei Kindern präsentierte. Zum anderen wurden im Rahmen eines runden Tischs zukünftige Aktivitäten der GISKID sowie mögliche Schwerpunktthemen für nachfolgende Summerschools diskutiert. Abschließend luden Prof. Dr. Stephan Sallat und Prof. Dr. Steffi Sachse alle Teilnehmerinnen zur Mitarbeit an der Entwicklung einer Suchstrategie und Liste englischer Suchbegriffe sowie zur Mitgestaltung der nächsten Interdisziplinären Tagung über Sprachentwicklungsstörungen (ISES IX) ein. Diese wird im November 2016 ebenfalls in Heidelberg stattfinden.

Die Teilnehmerinnen bedanken sich herzlich für die hervorragende Organisation, das abwechslungsreiche Programm und den professionellen Workshop!

Melanie Eberhardt (Köln)
Katharina Salgert (Sheffield/Rostock)


Das ausführliche Programm der Summerschool finden Sie hier.

Teilnehmer:

Susanne Bauer (Zürich)
Dr. Melanie Eberhardt (Köln)
Birgit Ernst (Zürich)
Beyhan Ertanir (Heidelberg)
Hilda Geissmann (Fribourg)
Juliane Hinnerichs (Heidelberg)
Hannah Kreft (Gießen)
Tamara Lautenschläger (Heidelberg)
Dana-Kristin Marks (Köln)
Dr. Vera Oelze (Halle)
Stephanie Rupp (Mannheim)
Katharina Salgert (Rostock/Sheffield)
Nebiye Hilal San (Heidelberg)
Dr. Wilma Schönauer-Schneider (München)
Barbara Wellner (Aachen)