DELPHI-Studie

zur Definition und Terminologie von Sprachentwicklungsstörungen 

Die Terminologie zu Sprachentwicklungsstörungen wurde in den letzten Jahren im englischsprachigen Raum intensiv diskutiert mit dem Ziel, eine einheitliche Nomenklatur in den involvierten Disziplinen zu etablieren. Als Folge dieses Prozesses wurde u.a. der Terminus Specific Language Impairment (SLI) durch den Terminus Developmental Language Disorder (DLD) abgelöst. Dies geschah in einem sogenannten DELPHI Prozess unter Einbezug von internationalen (englischsprachigen) Fachleuten aus Wissenschaft und medizinisch-therapeutischer Praxis (siehe Bishop et al., 2016 & Bishop et al., 2017).

Die Debatte hat längst auch den deutschsprachigen Raum erreicht und in hiesigen Fachkreisen eine kontrovers geführte Diskussion über die Auswirkungen der internationalen Perspektive in Gang gesetzt. Unter Federführung der GISKID bemühen sich Expert:innen verschiedener Disziplinen seit 2018 darum, die bisherige Definition und Terminologie von Sprachstörungen im Kindesalter im deutschsprachigen Raum hinsichtlich ihrer Aktualität und Einheitlichkeit zu prüfen und anzupassen. 

Die GISKID versteht sich in diesem Prozess als Moderator und bietet den Rahmen für eine interdisziplinäre Diskussion und Konsensfindung.

Ausgehend von zwei interdisziplinären Expert*innenforen in Frankfurt/Main bildete sich eine Steuerungsgruppe aus 13 Personen aus den betroffenen Fachdisziplinen und Vertreterinnen der deutschsprachigen Länder, welche nun den offiziellen Titel DACH Konsortium SES trägt. Vergleichbar zur Konsensfindung im englischsprachigen Raum wurde ein DELPHI Verfahren für den deutschsprachigen Raum vorbereitet.

Die DELPHI Befragung fand 2021-2022 statt. In dieser mehrstufigen Befragung (drei Runden) bewerteten Vertreter:innen der Bereiche Praxis, Forschung und Lehre mittels eines standardisierten online Fragebogens Aussagen zur Terminologie und Definition von Sprachstörungen im Kindesalter. Die Expert:innen gehörten den Disziplinen Sprachtherapie/Logopädie, Linguistik, Medizin, (Sonder-) Pädagogik, Neurowissenschaften und Psychologie an. Zusätzlich wurde die Delphi Studie extern im Rahmen einer Masterarbeit evaluiert. Aus den Rückmeldungen der Evaluation können wertvolle Hinweise für zukünftige Delphi-Studien gezogen werden. 

Die Ergebnisse aller drei Delphi Runden werden unter der Leitung von Marlen Niederberger in den nächsten Monaten ausgewertet. Erste Ergebnisse sind beim Kongress des Deutschen Bundesverbands für Logopädie im Mai 2022 vorgestellt worden. Die ersten Veröffentlichungen sollen noch 2022 in einer Fachzeitschrift eingereicht werden.

Im Rahmen der ISES 12 werden am Freitag, 25.11.22 zwischen 16.30 und 18.00 Uhr die vollständigen Ergebnisse durch das D.A.CH.-Konsortium SES präsentiert und mit den Tagungsteilnehmenden diskutiert. Dieser Vortrag wird kostenfrei für alle Interessierten via Zoom über die folgenden Einwahldaten verfolgt werden können:

Weitere Vorträge und Artikel sind in Planung. 

Das D.A.CH.-Konsortium SES und die GISKID bedanken sich bei allen Teilnehmenden für Ihre Mitarbeit. 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an delphi@giskid.eu.

 

Alphabetische Reihenfolge

ADohmen_DELPHI_copyright_hsg-Bochum

Andrea Dohmen

ist Professorin für Methoden der Logopädie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Ihre Schwerpunkte sind der unauffällige und auffällige Sprach- und Kommunikationserwerb sowie die Erforschung von soziokognitiven Fähigkeiten und Gesten.

andrea.dohmen@hs-gesundheit.de

AHaid_DELPHI

Andrea Haid

ist Logopädin und Linguistin und arbeitet als Rektorin an der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach (SHLR). Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Sprachentwicklung im Kindesalter, u.a. unter Berücksichtigung dialektaler Einflüsse des Alemannischen. Sie vertritt die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein.

 andrea.haid@shlr.ch

CKauschke_DELPHI

Christina Kauschke

ist Professorin für Klinische Linguistik an der Universität Marburg. Ihre Schwerpunkte sind der normale und gestörte Spracherwerb, die Entwicklung von Diagnostik- und Therapieverfahren für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen, Sprache und Emotion sowie Wortverarbeitung.

kauschke@uni-marburg.de

CLeitinger_DELPHI

Christina Leitinger

ist Logopädin am KH der Elisabethinen und Lehrende an der FH Joanneum in Graz. Sie vertritt neben Tanja Penz Österreich in diesem Prozess.

christina@leitinger.cc

CLueke_DELPHI

Carina Lüke

ist Professorin für Sonderpädagogik III – Sprachheilpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sie ist Klinische Linguistin und Rehabilitationspädagogin und forscht und lehrt zu den Themen Kommunikations- und Sprachentwicklung sowie Diagnostik, Therapie und schulische Förderung von ein- und mehrsprachigen Kindern mit Sprachentwicklungsstörung. Sie ist Vorstandsmitglied der GISKID.

carina.lueke@uni-wuerzburg.de

CMaennel_DELPHI

Claudia Männel

hat eine Professur für Frühkindliche Sprachentwicklung an der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité – Universitätsmedizin Berlin inne und ist mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig assoziiert. Sie ist Psychologin und Neurowissenschaftlerin und erforscht die typische und gestörte Sprachentwicklung.

maennel@cbs.mpg.de

KNeumann_DELPHI

Katrin Neumann

ist Professorin für Phoniatrie und Pädaudiologie und Direktorin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Münster an der Wilhelms-Universität Münster. Sie ist Fachärztin für Phoniatrie und Pädaudiologie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und koordiniert die interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a. die Entwicklung von Hör-, Sprach- und CMV-Screening-Programmen und Stimm-/Sprach-/Hörprozesse in der funktionellen Bildgebung.

katrin.neumann@uni-muenster.de

MNiederberger_DELPHI

Marlen Niederberger

hat eine Juniorprofessur für Forschungsmethoden in der Gesundheitsförderung und Prävention an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Sie ist Expertin für Delphi-Verfahren und betreut den Delphi-Prozess aus methodischer Perspektive. Sie leitet ein DFG gefördertes wissenschaftliches Netzwerk zu Delphi-Verfahren. Bei Bedarf werden die Mitglieder des Netzwerks in den Delphi-Prozess eingebunden.

marlen.niederberger@ph-gmuend.de

TPenz_DELPHI

Tanja Penz

ist leitende Logopädin an der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen in Innsbruck, derzeit in Elternkarenz. Sie vertritt in der Steuerungsgruppe Österreich.

tanja.penz@tirol-kliniken.at

SSachse_DELPHI

Steffi Sachse

ist Psychologin und als Professorin für Entwicklungspsychologie mit dem Schwerpunkt Sprachentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg tätig. In der Lehre ist sie zuständig für die Ausbildung von angehenden Sprachheilpädagog*innen sowie Frühpädagog*innen in den Bereichen Psychologie und Diagnostik. Schwerpunkte in der Forschung liegen im Bereich der Früherkennung und Sprachdiagnostik von Kindern mit Sprachauffälligkeiten, der sprachlichen Bildung und Förderung im Rahmen von Kindertagesstätten, diagnostischer Kompetenzen von Lehrkräften sowie entwicklungs-psychologischen Aspekten von kindlicher Mehrsprachigkeit.

Wiebke Scharff Rethfeldt

ist Professorin für Logopädie an der Hochschule Bremen – City University mit dem Schwerpunkt der Früherkennung und Diagnostik von Sprech-, Sprach- und Kommunikationsstörungen bei kulturell diversen und mehrsprachigen Kindern. Sie ist Vorstandsmitglied der International Association of Communication Sciences and Disorders (IALP) und leitet deren Multilingual-Multicultural Affairs Committee. Neben der fachspezifischen vertritt sie die internationale Perspektive in diesem Prozess.

 w.scharff.rethfeldt@hs-bremen.de

JSpranger_DELPHI

Julia Spranger

ist als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich Forschungsmethoden in der Gesundheitsförderung und Prävention an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd angestellt. Sie führt Protokoll und betreut die technische Umsetzung des Delphi-Prozesses (z.B. Programmierung des Online-Fragebogens)

julia.spranger@stud.ph-gmuend.de

SVogt_DELPHI

Susanne Vogt

ist Logopädin und Professorin für Spracherwerbsstörungen an der Hochschule Fresenius in Frankfurt. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Sprachentwicklung und deren Störungen sowie der Gestenforschung.

vogt@hs-fresenius.de