Sprachentwicklungsstörung

Erfahren Sie mehr über eine der häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter

Sprachentwicklungsstörung – Was ist das?

Der Spracherwerb ist ein faszinierender Prozess. Scheinbar ganz nebenbei erwerben Kinder innerhalb ihrer ersten Lebensjahre alle notwendigen sprachlichen Fähigkeiten, die sie für die Interaktion mit ihrer Umwelt benötigen. Eins von 10 Kindern hat jedoch Schwierigkeiten in diesem Entwicklungsprozess und benötigt eine entsprechende professionelle Unterstützung. Sprachentwicklungsstörungen (SES) sind die häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter. In etwa sieben Prozent der Fälle treten sie ohne eine offensichtliche Ursache auf. Bei etwa drei Prozent der Kinder stehen die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit organischen Ursachen (z.B. massive Hör- oder Sehstörungen, neurologische Erkrankungen) oder kognitiven Einschränkungen (z.B. im Zuge einer Trisomie 21).

Kind Hand_vor_Mund

Sprachentwicklungsstörungen sind in der Regel bereits früh erkennbar. Häufig fangen die Kinder deutlich später an zu sprechen und erweitern ihren Wortschatz nur sehr langsam. Ein erster Marker für das Risiko einer Sprachentwicklungsstörung ist die so genannte 50-Wort-Marke. Um ihren zweiten Geburtstag herum sollten Kinder mindestens 50 Wörter produktiv sprechen können oder zwei Wörter zu einer Äußerung kombinieren. Kinder, die dies mit 24 Lebensmonaten nicht erreichen, haben ein deutlich höheres Risiko eine Sprachentwicklungsstörung zu entwickeln als Kinder, die bereits über einen deutlich größeren Wortschatz verfügen. Ein Teil dieser so genannten Late Talker holen in der sprachlichen Entwicklung noch auf. Bei Zweidrittel der Kinder etablieren sich jedoch bis zum dritten Geburtstag die sprachlichen Schwierigkeiten.

Sprachentwicklungsstörungen zeigen sich auf unterschiedlichsten Ebenen der Sprache und Kommunikation. Häufig haben die Kinder langfristig einen eingeschränkten Wortschatz. Sie können sich weniger präzise als andere Kinder ausdrücken, suchen nach Wörtern oder nutzen Füllwörter wie „Dingsda“, um ihre Wortschatzlücken zu füllen. Es fällt ihnen zudem schwer, lange oder mehrteilige Anweisungen (z.B. „Bring das Glas in die Küche und hole mir bitte ein Messer.“) korrekt zu verstehen und auszuführen. Darüber hinaus können Schwierigkeiten in der Satzbildung sowie in der Aussprache auftreten. Im Schulalter können zudem Probleme im Erwerb des Lesens und Schreibens hinzukommen. Langfristig bestehende sprachliche Auffälligkeiten können die schulische und berufliche Entwicklung der Kinder bzw. Jugendlichen massiv beeinflussen. Vor diesem Hintergrund sollten Sprachentwicklungsstörungen möglichst frühzeitig erkannt und sprachtherapeutisch/logopädisch behandelt werden. Innerhalb von Schule können zudem sonderpädagogische Fachkräfte die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen. Wichtig ist jedoch, dass die sprachlichen Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen überhaupt erkannt werden.

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